Positive Studie zum Mindestlohn. Trotzdem titelt tagesschau.de: „IAB-Studie zur neuen Lohnuntergrenze – Forscher halten Mindestlohn für Jobbremse“

Tagesschau.de berichtet über eine neue Studie, nach der „ohne den Mindestlohn ca. 60.000 zusätzliche Jobs hätten entstehen können“.

Interessant ist natürlich, dass die Überschrift eine eindeutig negative Aussage über den Mindestlohn trifft. Nach Aussage des Sprechers des Instituts für neoliberale Arschlochpolitik in Köln, Monrad Keier, hätten „sogar noch viel mehr neue Jobs entstehen können, wenn die Unternehmen für diese gar kein Gehalt zahlen müssten.“

Auf Nachfragen an tagesschau.de, ob denn das grundsätzliche Konzept, dass man von seiner Arbeit auch Leben könne soll (frei nach der FDP, Leistung muss sich lohnen), erhielten wir bis Redaktionsschluss keine Antwort.

Medienkritikteil: die Überschrift ist eine klare Irreführung.

Leider lenkt die negative Überschrift von den ganzen positiven Folgen des Mindestlohns ab, sowie den interessanten, den Mindestlohn unterstützenden Forschungsergebnissen der oben verlinkten Studie. Daher zitieren wir diese hier nochmal im Volltext.

Der Mindestlohn ist knorke, weil:

„Höhere Löhne, längere Arbeitsverhältnisse

Anfang 2015 wurde die gesetzliche Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde eingeführt.

Die Auswertung zeige, dass der Mindestlohn weder zu einem „Abbruch des positiven Beschäftigungstrends“ noch zu einer konjunkturellen Delle geführt habe. Umgekehrt führte der Mindestlohn nach Erkenntnissen der Forscher in Betrieben, die bisher geringer bezahlte Mitarbeiter beschäftigen, zu deutlichen Lohnsteigerungen – besonders stark im Osten Deutschlands. Dort lag der Lohnanstieg auf Betriebsebene ein gutes halbes Jahr nach der Mindestlohneinführung im Schnitt bei 5,2 Prozent, im Westen dagegen nur bei 3,4 Prozent. Zugleich komme es in Betrieben, die Mindestlohn-Empfänger beschäftigten, zu einer geringeren Fluktuation. „Die Leute werden länger beschäftigt als früher“, so Möller.

Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass Betriebe die Folgen des Mindestlohns durch den verstärkten Einsatz von Freiberuflern ausgeglichen haben. Sie betonen zugleich, dass sie keine Aussagen zu einer möglichen Verlagerung von regulärer Beschäftigung hin zu mehr Schwarzarbeit treffen könnten. Zudem seien nur kurzfristige Effekte der Mindestlohn-Einführung untersucht worden. Langfristige Effekte auf die Konjunktur und den Arbeitsmarkt sowie negative Konsequenzen wie mögliche Firmenpleiten infolge höherer Lohnkosten ließen sich demnach durch die Studie ebenfalls nicht überprüfen.“

 

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