Zuwanderung: Wie rassistisch wollen wir sein?

70 Prozent der Flüchtlinge, die zu uns kommen, seien junge, allein reisende Männer. Ein Soziologe sagt, dass wir uns auf eine „Maskulinisierung“ des öffentlichen Raums einstellen sollten. Das klingt natürlich richtig schlimm. Dürfen männliche Flüchtlinge also keine Privatsphäre haben, sondern müssen „draussen rumlungern“? Zündelt Jan Fleischhauer nur mal wieder?

Zuerst macht Fleischhauer auf die Facebook-Seite von Katrin Göring-Eckardt aufmerksam. Dort stehe seit Anfang September das Foto eines etwa fünfjährigen Mädchens, „das den Betrachter aus großen Augen anblickt“ Zusammen mit der freien Meinungsäußerung „Refugees Welcome“ sei es ein herziges Bild eines Kindes, dass man an die Hand nehmen und an einen sicheren Ort bringen wolle, wenn man keine Seele aus Stein habe.

Als Kontrast dazu erwähnt Fleischhauer ein Flüchtlingsbild aus der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ von vergangener Woche. Dieses Foto sei in Berlin aufgenommen worden. Man sehe darauf Neuangekommene, die auf ihre Registrierung als Asylbewerber warteten – und es waren fast ausschließlich Männer, die sich an weißen Sperrgittern gelehnt die Zeit vertrieben.

Bislang spielt sich die Krise abseits der Innenstädte ab – und Herr Fleischhauer redet trotzdem drüber

Es sei nicht unwichtig, welche Bilder man im Kopf hat, wenn man über Flüchtlinge redet. Verantwortlich sind dafür die Medien. Wem es, wie Fleischhauer wichtig ist, dass die Menschen Angst vor Maskulinisierung bekommen, der schürz Rassismus.

Was die Migrationswirklichkeit angehe, sprächen die Fakten leider gegen die Fraktionsvorsitzende der Grünen und für die „FAZ“: Rund 70 Prozent derjenigen, die zu uns kommen, sind allein reisende, junge Männer.

Dieses vermeintliche Faktum verwundert nur, wer nicht über Migration Bescheid weiß und Nachdenkresistent ist. Viele Familien schicken, in letzter Hoffnung ihre Söhne. Viele Väter fliehen, weil sie hoffen, allein die Flucht zu überleben. Wir könnten das Problem der Männer beheben, wenn wir die Wege einfacher machen würden, oder den Männern das Nachholen ihrer Familien erleichtern.

Was mit einer „Maskulinisierung“ des öffentlichen Raums gemeint sein soll, weiß wohl nur Jan Fleischhauer. Im besten Fall lungern die Menschen, ob Mann oder Frau, eben nicht auf der Straße herum. Das klappt natürlich nur, wenn wir als Deutsche Integration aktiv und positiv gestalten, statt uns negativ, ressentimentbeladen und naiv-rassistisch in den Medien auszulassen.

Fleischhauer redet von einem neuen Eckensteher-Milieu in inneren Großstädten. Stört ihn etwa, dass auch Männer an Ecken herumstehen wollen? Dürfen das laut ihm nur die Prostituierten auf der Reeperbahn?

Die folgenden Auslassungen sprechen wirklich Bände über den kleinen Rassisten Jan Fleischhauer:
„Für eine Welt, in der schon ein zu offensiver Blick auf Po oder Busen einen sexuellen Übergriff markiert, verheißt das Wort „Maskulinisierung“ jedenfalls nichts Gutes.“ Na fürchten Sie sich auch schon? Böse männliche Migranten könnten bald auch auf Ihren Po schauen, und das gilt als sexueller Übergriff. Gar nicht gut. Ein deutscher Mann schaut natürlich nie einer Frau auf den Po. „Möglicherweise wird sich in den grünen Vierteln das Verhältnis zum Flüchtling merklich abkühlen, wenn zutage tritt, dass er die Etikette im Umgang der Geschlechter nicht beherrscht.“ Das hofft wohl jedenfalls Herr Fleischhauer. Statt Hoffnung säht er Wind für die „besorgten Bürger.“

„Auf den jungen Männern, die Deutschland erreichen, lastet ein enormer Druck. Dort, wo sie herkommen, wartet die Familie“ nicht darauf, dass sie es in der Fremde zu etwas bringen, sondern sie hofft, dass die Männer, Frauen, Kinder – überleben! Und sie wünschen sich, selbst zu überleben.

Einwanderung ist keine Frage der Größenordnung

Jan Fleischhauer ist zwar anderer Meinung. Er sagt, ob Integration gelänge, hinge vor allem an denen, die kommen. Dabei liegt es an uns, an unserer Politik, und an unserem persönlichen Verhalten, ob Ghettoisierung stattfindet, ob Bildung und Spracherwerb gefördert wird.

Jan Fleischhauer schein große Angst zu haben. Dabei geht es ihm recht gut: er muss nicht über den großen Teich fliehen, seine Kinder sind nicht auf der Flucht ertrunken. Angst und Spaltung zu propagieren, und vor Antisemitismus von Arabern gegenüber Juden zu warnen, wenn die die kommen gar keine Araber sind, sondern Syrer, ist schon einfach ziemlicher Schrott. Da bleibt sich Herr Fleischhauer immerhin treu.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s