Wegen niedriger Zinsen – Rente wann man will

Die niedrigen Zinsen zeigen, dass die Versicherungen ihre Versprechen nicht einhalten können. Da hilft es nur höhere Löhne zu zahlen. Oder früher in Rente zu gehen. Doch wie viele weniger Arbeitsjahre sind nötig?

Es gibt nicht genug gut bezahlte Arbeit.

Es ist eine Tragödie: Damit die deutschen Unternehmen weniger Lohnnebenkosten zahlen müssen, mussten wir uns von der Rente mit 65 verabschieden. Die Deutschen schlucken die bittere Pille, dass die Jüngeren bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten müssen, bevor sie in den Ruhestand gehen dürfen. Doch die Wahrheit ist: die deutsche Wirtschaftslobby will, dass die deutschen bis mindestens 70 arbeiten.

Verkauft werden solche Meldungen unter anderem durch extrem hohle Artikel in der FAZ. Es ist zwar brutaler Schwachsinn, verdreht die Faktenlage und widerspricht dem öffentlichen Interesse, trotzdem wird so was publik gefordert. Wozu auch nicht? Die Interessen der Wirtschaft sind in Deutschland das einzige unantastbare Gut.

Nein, die Deutschen werden sicher nicht freiwillig bis 70 arbeiten. Sie werden es nur tun, wenn ihnen nichts anderes übrigbleibt. Schuld daran sind nicht die Deutschen – sondern die absichtliche Abschwächung der umlagefinanzierten Rente, eine familienfeindliche Politik, fehlende staatliche Investitionen, Sparfetischismus (schwarze Null) und eine antiintegrative Einwanderungspolitik. All dies zerstört die Altersvorsorge.

Da für die Lohnnebenkostensenkung die private Altersvorsorge eingeführt wurde, ist schon jetzt klar, dass viele Deutsche mit den Auszahlungen aus der staatlichen Rente allein nicht über die Runden kommen werden. Der Druck auf Beschäftigte, mit zu geringen Löhnen immer mehr Ruheständler über einen längeren Zeitraum finanzieren zu müssen, schürt Zukunftsängste und hemmt die Familienplanung. Das Ergebnis ist eine schwächelnde Demographie, die genutzt wird, um höhere Beiträge für die Einzahler zu rechtfertigen und weniger auskömmliche Renten zu zahlen.

Weniger arbeiten, weniger Ansprüche

Der Finanz- und Versicherungssektor in Deutschland wird gestärkt, in dem die Menschen das private sparen, zum Beispiel über eine Lebensversicherung, teilweise auch staatlich gefördert in einem Riester-Vertrag, nahegelegt wird. Doch die niedrigen Zinsen führen dazu, dass solche Versicherungen später weniger auszahlen, als bisher eingeplant. Die Finanzkrise hat auch gezeigt: Banken und Versicherungen können Pleite gehen. Die Konsequenz: die umlagefinanzierte Altersvorsorge sollte gestärkt und Familien finanziell entlastet werden.

Spätere Rente nutzt nur den Versicherern

Schön und gut: Für jedes zusätzlich über das Alter 67 hinaus gearbeitete Jahr zahlt der Staat sechs Prozent mehr Rente. Richtig zynisch wird es aber, wenn man folgenden FAZ-Satz mal interpretiert: „Auch die private Rentenversicherung zahlt mehr aus, weil der Sparer länger eingezahlt hat und die Auszahlphase kürzer ist.“ Das stimmt natürlich nicht. Die Auszahlphase wird kürzer, da die Zeit von Rente bis zum Tod kürzer wird. Die Wette gewinnt der Versicherer, und streicht den Rentenrest als Gewinn ein.

Es ist im Übrigen völlig müßig, die angeblich zusätzlich notwendigen Arbeitsjahre auszurechnen. Der FAZ-Autor sagt selbst: Ob eine Verzinsung für die nächsten 30 Jahre realistisch ist, weiß natürlich niemand. Private Altersvorsorge muss also den Menschen Sand in die Augen streuen. Und jeder weiß das vorher. Das einzige sichere Rentensystem ist das Umlagefinanzierte.

Man kann vieles hin- und her rechnen, besonders in einer Parawissenschaft wie der Ökonomie. Was? Ökonomie sei nicht seriös? Der Grundsatz der Volkswirtschaftslehre lautet ceteris paribus. Das beudeutet: Unter sonst gleichen Bedingungen – und meint, dass die Prognosen, Theorien und Rechnungen nur stimmen können (nicht das sie es tun), wenn die Annahmen stimmen und sich alles so entwickelt, wie man es vorhergesagt hat.

Astrologie und Wahrsagerei sind Parawissenschaften, also Esoterik. Und so ist es bei der Volkswirtschaft dann letztlich auch.

Was könnte man also tun? Ein ernstzunehmender guter Hinweis aus dem FAZ-Artikel: „ Man sollte lieber heute mehr sparen“, sagt Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung. Dann könnte man weiter mit 67 Jahren in Rente gehen. Oder sogar noch früher, je nach dem natürlich, wie viel man sparen kann. Man sollte demnach auch weniger konsumieren.

Man kann allerdings auch – von staatlicher Seite – eine höhere Verzinsung anstreben. Das geht zum einen durch Investitionsanreize, die das Aufnehmen von Krediten fördern. Oder aber man entscheidet sich, die Familien- und Arbeitspolitik so zu gestalten, dass Menschen sich sicher fühlen, und gerne Kinder bekommen wollen.

Eine weitere Möglichkeit wäre es natürlich, die Integrationspolitik möglichst so zu gestalten, dass der volkswirtschaftliche Nutzen erkennbar ist, beispielsweise in dem man die Menschen die zu uns kommen arbeiten lässt. Dies erscheint angesichts der jüngsten Flüchtlingssituation zwar wichtig, gut und richtig. Aber gerade die Parteien, die sich soziale und christliche Werte zuschreiben handeln in der Regel nur nach Eliteninteressen, und nicht so, dass es allen Menschen besser ginge.

Viele Menschen wollen gar nicht so viel arbeiten

Natürlich gibt es noch viele andere Ideen, das Volksvermögen gerecht zu verteilen und so auch eine gerechte und dem deutschen Wohlstand entsprechende Altersversorgung zu garantieren. Beispielsweise eine Finanztransaktionssteuer, Vermögenssteuer, Stärkung des Personalwesens in Finanzämtern und vieles mehr.

Vergessen wird dabei leider, dass das Wirtschaftssystem nicht von der unsichtbaren Hand Gottes geschrieben wurde, sondern von unseren gewählten Politikern frei gestaltet wird. Das es anders geht zeigen beispielsweise die skandinavischen Länder. Dennoch wird Menschen lieber Angst gemacht, und von Rente mit 70 geschwafelt. Warum nicht Rente wann man will? Mit Grundeinkommen kein Problem. Dann könnte auch tatsächlich jeder soviel arbeiten, wie er möchte, wann er möchte, wie oft er möchte.

Solche Maßnahmen nutzen allerdings nur den Menschen. Und die Frage ist immer, in wie fern man das wirklich wollen kann.

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